Vorwort

Street Art meets Augemted Reality – hier treffen zwei Welten aufeinander, die scheinbar nicht viel mit einander zu tun haben. Straßenkunst, egal ob ungelenk und spontan oder mit großem handwerklichen Geschick und Planung, begeistert die Einen und befremdet die Anderen. Aber in jedem Fall ist sie aus dem alltäglichen Bild unserer Städte kaum wegzudenken. Diese Ausdrucksform trifft auf eine Zukunftstechnologie, von der bisher die wenigsten Menschen etwas wissen, die aber bereits existiert und in einigen Jahren unser Leben ähnlich stark beeinflussen könnte wie Zeitungen, Werbeplakate oder Hinweisschilder. Die Rede ist von: Augmented Reality!

Was ist Augemted Reality? Stellen Sie sich vor, Sie haben eine Daten-Brille auf der Nase, mit der sie durch die Stadt gehen. Bei allen Menschen die Ihnen begegnen, werden Tafeln eingeblendet, die Ihnen sagen, wie diese Person heißt, welchen Beruf sie hat und ob er oder sie noch Single ist. Oder Sie schauen ein Gebäude an und erfahren sofort welcher Arzt hier seine Praxis hat, oder welche Schnäppchen es gerade im Angebot des Supermarkts im Erdgeschoss gibt. Diese Datenbrille ist keine Fiktion! Google möchte in naher Zukunft ihre Datenbrille „Google Glass“ auf den Markt bringen und auch andere Anbieter arbeiten an ähnlichen Projekten. Aber auch ohne solch eine Brille können Sie Augmented Realtiy schon heute mit Ihrem Smartphone erleben. Einige Beispiele haben wir Ihnen in diesem Blog bereits dargestellt. Neben einigen Vorzügen bietet Augmented Reality natürlich auch einige Nachteile oder gar Gefahren. So ist es zum Beispiel gut denkbar, dass auch eine Datenbrille – ähnlich wie ein teures Smartphone – für die meisten Menschen nur mit einem Vertrag bei einem Kommunikationsanbieter erschwinglich ist. Dieser kann dann möglicherweise darauf Einfluss nehmen, welche Realität wir angezeigt bekommen, welche Werbung wir im öffentlichen Raum sehen, welche Informationen wir eingeblendet bekommen usw.

Um die Teilnehmer mit dieser Technik näher vertraut zu machen, wollten wir uns in unserem Projekt spielerisch und kreativ mit Augemted Reality beschäftigen. Mit virtuellen Graffitis konnten wir hier eine künstlerische Ausdrucksform finden, die zwar im öffentlichen Raum stattfindet, aber nicht die Eigentumsrechte anderer tangiert.

Auf der anderen Seite wollten wir uns auch mit Graffiti beschäftigen, da sie eine Alltagskunst darstellt, die vor allem junge Menschen fasziniert. Graffiti hat dabei nichts mit krakeligen Schmierereien zu tun, sondern stellt eine technisch anspruchsvolle Kunstform dar, die längst nicht nur auf der Straße zu finden ist, sondern in vielen anderen Bereichen des modernen Lebens unser Empfinden für Design und Ästhetik stark beeinflusst hat. Natürlich sollte hier neben der gestalterischen auch die rechtliche Dimension dieser Ausdrucksform nicht zu kurz kommen. Daher waren wir sehr froh, in Kooperation mit der Jugendkunstschule unARTig, des Ludwigshafener Kunstvereins, einen Ansprechpartner zu finden, der uns vor allem im Bereich der Gestaltung eine wichtige Unterstützung leisten konnte und die Teilnehmer kompetent mit der Welt und den Regeln der Graffiti-Kunst vertraut machte.

 

Steffen Griesinger
Leitung Haus der Medienbildung
Projektkoordination